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Mikwe – jüdisches Ritualbad

In der Synagoge in Bad Segeberg gibt es eine Mikwe.

Sie ist der erste Mikwenneubau seit der Shoa in Schleswig-Holstein und die einzige, die in Nutzung ist. Diese Mikwe steht allen Jüdinnen und Juden offen. Sie wird bei Bedarf und nach Absprache geöffnet sein.

Für die Mikwe wird Regenwasser verwendet. Das Regenwasserauffangsystem und die Zisternen unterliegen einer strengen rabbinischen Kontrolle.

Möglich wurde der Bau der Mikwe u.a. durch finanzielle Zuwendungen der Stiftung „Holsteins Herz“, die nachhaltige Projekte der Region unterstützt (www.holsteinsherz.de).

mehr Informationen

Blick in die Mikwe

Die neue Mikwe in Bad Segeberg. Der Segen, der vor dem Untertauchen gesprochen wird, ist gut lesbar an die Wand geschrieben.

Kontrolle während der Bauphase

Derek Sharp, ein Spezialist für Mikwenneubauten, kontrollierte während der Bauphase, ob die Regeln eingehalten wurden.


Die Mikwe ist das rituelle Tauchbad einer jüdischen Gemeinde, deren Besitz und Nutzungsmöglichkeit eine hohe Bedeutung zukommt. Früher hatte fast jede jüdische Gemeinde ein solches Bad. Das Wasser einer Mikwe muss reinstes fließendes Wasser sein, das zuvor nicht bearbeitet, ja noch nicht einmal herangetragen wurde; man spricht von „lebendigem“ Wasser.

Bei dem Bau und der Nutzung einer Mikwe müssen von Rabbinern überwachte streng nach dem jüdischen Religionsgesetz begründete Regeln eingehalten werden. Als Mikwenwasser kommt nur Quell-, Grund- oder gesammeltes Regenwasser in Frage.

Der Zweck der Mikwe ist nicht das Erlangen hygienischer, sondern ritueller Reinheit. Als rituell unrein gilt nach jüdischer Tradition zum Beispiel Blut oder das Berühren von Toten. Eine Mikwe wird häufig von Frauen benutzt, nachdem sie ein Kind geboren haben, nach der Menstruation, am Vorabend der Hochzeit oder für die Zeit nach der Heilung von bestimmten Krankheiten. Sie wird in traditionellen Kreisen auch von Männern vor Beginn des Schabbats oder von Feiertagen zum Untertauchen benutzt. Ein weiterer Anlass in der Mikwe unterzutauchen ist die Konversion zum Judentum, was sowohl für Männer als auch für Frauen Bedingung ist. Auch Gegenstände können in einer Mikwe im kultischen Sinne gereinigt werden.

Um eine erfolgreiche rituelle Reinigung durchführen zu können, darf nichts Fremdes am Körper vorhanden sein. Den vollständigen Kontakt des reinen Wassers mit dem Körper darf nichts verhindern, so ist z. B. Schmuck, Lippenstift, Nagellack, Kontaktlinsen, Ehering, Pflaster, Bandagen oder Bekleidung vollständig vom Körper zu entfernen. Es muss auch darauf geachtet werden, dass der gesamte Körper mitsamt den Haaren untergetaucht wird. Vor dem Untertauchen wird eine Segnung gesprochen. Der Vorgang des vollständigen Untertauchens bezeichnet man mit „Tewila“.

Mit der Abwanderung vieler Juden aus den Landgemeinden im 19./20. Jahrhundert und der Auswanderung bzw. der Deportation der jüdischen Bevölkerung während der NS-Zeit standen viele Mikwen leer oder wurden Opfer der Zerstörung. Dennoch sind viele Tauchbäder erhalten geblieben. Heutzutage sind Mikwen moderne Anlagen, von denen es in Deutschland nur knapp 30 gibt. Die Mikwe in Bad Segeberg wird mit Regenwasser betrieben, das über ein speziell konstruiertes Kunststoffdach und Kunststoffrohrsystem in Zisternen geleitet wird. Das dort gesammelte Wasser besitzt eine ständige Verbindung zu dem Wasser in dem Mikwenbecken.

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Rituelles Baden oder: Was ist eine Mikwe?
(aus: Walter Rothschild, 99 Fragen zum Judentum, Gütersloher Verlagshaus 2001, S.86f.)

Sauberkeit und Hygiene sind im Judentum immer wichtig gewesen. Es gab immer Regeln über das Händewaschen vor dem Essen und über regelmäßiges Baden – Regeln, die heute „selbstverständlich“ sind, aber in vielen anderen Gesellschaften erst seit ganz kurzer Zeit gelten.

Die Mikwe ist ein rituelles Bad, in dem man den Körper völlig eintauchen kann. Es gibt überlieferte Regeln, wie es gebaut sein sollte – es war immer wichtig, „lebendiges Wasser“ zu gebrauchen („Majim Chajim“) und nicht stehendes Wasser, daher wird es auch heutzutage, da Wasser gewöhnlich leicht aus der Wasserleitung verfügbar ist, noch so eingerichtet, dass in einem Tank gesammeltes Regenwasser auch in das Bad geleitet wird. Es sind alte Mikwaot (der Plural) sowohl aus den Zeiten des Tempels als auch aus dem Mittelalter ausgegraben worden – oft bleibt das einer der wenigen Hinweise auf frühere jüdische Wohnsiedlungen.

Man geht eine Reihe von Stufen hinunter, bis der Körper bedeckt ist; die Mikwe – das Wort bedeutet „Sammeln“ (von Wasser) – ist nicht nur ein gewöhnliches Bad für die körperliche Waschung, sondern mehr noch eine rituelle Säuberung. Eine Frau pflegt die Mikwe nach ihrer Menstruation zu benutzen, ein Mann gebraucht sie vor besonderen Betgottesdiensten oder nach dem Kontakt mit einem Leichnam oder mit etwas Unreinem. Auch bei dem Übertritt pflegt man „Tevila“ (Tauchen) in einer Mikwe zu machen. In den letzten Jahren sind im fortschrittlichen Judentum auch andere Rituale entwickelt worden, um eine Mikwe für andere Säuberungszwecke zu gebrauchen - zum Beispiel nach einem Fall von sexuellem Missbrauch oder einer Vergewaltigung.

In früheren Zeiten pflegte das Wasser natürlich kalt zu sein, heutzutage hat eine Mikwe geflieste Oberflächen, glänzende Handläufe aus Metall und Beheizung.

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