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Oktober 2022

Dr. h.c. Peter-Harry Carstensen in persönlicher Feierstunde verabschiedet.
Ministerin Karin Prien: „Schleswig-Holstein hätte keinen besseren ersten Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus haben können.“
Jüdische Gemeinden: „Sie waren immer für uns da und wir konnten uns immer auf
Sie verlassen.“

v.l.n.r.: Walter Blender, Ministerin Karin Prien, Dr. h. c. Peter-Harry Carstensen, Igor Wolodarski
Foto: Nissenv.l.n.r.: Walter Blender, Ministerin Karin Prien, Dr. h. c. Peter-Harry Carstensen, Igor Wolodarski Foto: Nissen
KIEL. „Du hast Dich mit Deiner Gravität und Popularität, deiner ganzen
Strahlkraft als ehemaliger Ministerpräsident in den Dienst der jüdischen Menschen in
Schleswig-Holstein gestellt“, betonte Kulturministerin Karin Prien gestern (29. September) bei der feierlichen Verabschiedung von Ministerpräsident a.d. Dr. h.c. Peter-Harry Carstensen in Kiel. In Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen Landesverbände und Repräsentanten aus Politik und Justiz blickte Prien darauf zurück, wie es zur Berufung eines Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus gekommen war. „Als die Landesregierung 2018 den „Vertrag zur Förderung jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein“ mit den beiden jüdischen Landeverbänden neu geschlossen hat, war das ein starkes Zeichen für ein lebendiges jüdisches Leben in Schleswig-Holstein“, so Prien. Der Landesregierung sei wichtig gewesen, angesichts eines zunehmenden Antisemitismus und des Anschlages auf die Synagoge von Halle am 9. Oktober 2019 das Bewusstsein für „jüdisches Leben in Deutschland“ zu stärken. Deshalb habe sich der Landtag Ende 2019 für die Einrichtung eines Beauftragten ausgesprochen.
    Zum Dank für seine Arbeit übergab Prien dem passionierten Gärtner einen Apfelbaum und eine Kippa bestickt mit dem Motto „#Shalom&Moin“, welches sich zu einer echten Marke für das jüdische Leben entwickelt habe.
    Für den Landtag dankte Landtagsvizepräsidentin Eka von Kalben Carstensen für seine Arbeit. Es sei ein fraktionsübergreifendes Anliegen, gegen Antisemitismus im Land zu kämpfen und die jüdischen Gemeinden zu stärken. Das wurde auch dadurch deutlich, dass die Fraktionsvorsitzenden Tobias Koch (CDU) und Thomas Losse-Müller (SPD) sowie Jette Waldinger-Thiering (SSW) zugegen waren.
    Igor Wolodarski von der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region e.V. berichtete, mit welchem persönlichen Einsatz Carstensen eingeschritten sei, wenn antisemitische Schmähungen im Raum standen. „Die Zahl der Antisemiten wurde nicht kleiner, aber die Zahl derjenigen, die sich in der Öffentlichkeit hemmungslos und gedankenlos äußern, ist kleiner geworden. Das verdanken wir auch Ihnen, weil Sie immer kontra gegeben und sich zu Wort gemeldet haben“, so Wolodarski. Und weiter: „Würden mehr Menschen so wie sie einschreiten und sich melden, der Antisemitismus wäre deutlich weniger.“
    Walter Blender vom liberalen Landesverband der jüdischen Gemeinden Schleswig- Holstein K.d.ö.R betonte, wie sehr der Beauftragte auch ein Ratgeber für die jüdischen Gemeinden im Land war. „Sie haben dieses Amt ganz persönlich und mit ihrem vollen Herzen ausgefüllt. Dass Sie dieses Amt berührt und auch belastet hat zeigt, dass Ihnen ihre Aufgaben nie gleichgültig waren“, so Blender. „Sie waren auch ein Ratgeber für innerjüdische Konflikte, die es natürlich auch in einem lebendigen Judentum gab.“
    Zum Abschluss berichtete Peter-Harry Carstensen aus seiner Arbeit als Beauftragter. Die Geschichte der Juden in Deutschland ist glücklicherweise mehr als der Holocaust, aber der Holocaust ist das traurige Gewicht auf den Schultern unserer Geschichte.“ Der historisch versierte Carstensen berichtete, wie nach und nach das jüdische Erbe Schleswig-Holsteins kennengelernt hatte. „DieGeschichte der Juden in SH ist für mich immer spannender geworden, je länger ich das Amt des Beauftragten ausgeübt habe“, so Carstensen. Von jüdischen Landbesitzern in Nordfriesland, die durch den Nationalsozialismus ihren Boden und ihre Wurzeln verloren hätten, bis zur Geschichte der Juden in Glücksstadt und Friedrichsstadt. Carstensen: „Ich bin dankbar für die Zeit, die ich dieses Amt ausüben durfte und ich bin dankbar für alles, was ich lernen durfte.“ Den Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern gab er eine Aufgabe mit auf den Weg: „Sprechen Sie nicht über Juden im Land, sprechen Sie mit den Juden im Land.“ (Text: David Ermes, Bildungsministerium)

 

September 2022

Elmshorn: Reise durch das jüdische Elmshorn mit der App

Schon lange bewegte Alisa Fuhlbrügge, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Elmshorn, die Frage: „Wie kann man Schülern und Lehrern die Geschichte des jüdischen Lebens in Elmshorn näher bringen?“

So kam sie auf die Idee, zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ eine App zu diesem Thema zu entwickeln. Mit Frank Ramson vom Amt für Kinder, Jugend, Schule und Sport fand sie einen kompetenten Unterstützer. So wurde eine App (nicht nur) für Schüler und Lehrer entwickelt, die leicht zu bedienen ist und unterhaltsam einen Einblick in jüdisches Leben in Elmshorn gibt: „Spurensuche“. Die App für Apple- und Android-Smartphones ist kostenlos im App-Store, Playstore und unter spurensuche-app.de verfügbar.

 

Kiel: Gedenken an ermordete israelische Olympioniken

Am 5. September 2022 jährte sich der Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft in München 1972 zum fünfzigsten Mal. Kiel war damals Austragungsort der Segelwettbewerbe; so hatte die Landeshauptstadt Kiel aus diesem Anlass zu einer Gedenkstunde auf dem Rathausplatz eingeladen, an der auch Vertreter der Jüdischen Gemeinde Kiel teilnahmen. Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar legten einen Kranz am olympischen Feuer vor dem Rathaus nieder, in bewegenden Reden wurde an das Schicksal der Ermordeten Sportler und besonders auch ihrer Familien seither erinnert. Als Zeichen der Verbundenheit wehte am Rathaus die israelische Flagge.

 

 

März 2022

Der Landesverband sammelt Spenden für die Ukraine

Der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen aus der Ukraine zu helfen. Unsere Gemeinden haben direkt bei Kriegsbeginn angefangen, Spenden für die Menschen zu sammeln. Über die sozialen Netzwerke und in Zusammenarbeit mit der Presse haben wir einen Aufruf gestartet, um die Bevölkerung dazu zu bewegen, etwas für die Menschen aus der Ukraine zu spenden. Die Solidarität und Spendenbereitschaft innerhalb der Bevölkerung ist außerordentlich groß.

Wir haben in unserem Gemeindezentrum in Bad Segeberg mittlerweile zwei Stockwerke zur Verfügung gestellt, um Sachspenden anzunehmen und herauszugeben. Dort sammeln wir Kleidung und haben einen Bereich für Nahrung und Hygieneartikel eingerichtet. Täglich nehmen wir, seit fast zwei Wochen, Spenden entgegen und geben diese an die bedürftigen Menschen weiter. Wir organisieren auch Konvois in Richtung Ukraine, um die Menschen im Bereich der Grenzen zu versorgen und Familien auf der Flucht nach Deutschland zu bringen. Wir sind in die direkte Betreuung der geflüchteten Menschen gegangen, versorgen sie vor Ort; bei uns in der Gemeinde und in den Erstaufnahmezentren des Kreises, statten die Menschen mit Kleidung, Lebensmitteln und Hygienebedarf aus. Wir fangen die Menschen in diesen schweren Zeiten auf und sind ihnen eine Stütze. Um Sprachbarrieren zu überwinden, begleiten unsere Ukrainisch- und Russischsprachigen Mitglieder die geflüchteten Menschen zu den Ämtern, etc. Wir leisten auch psychologischen Beistand in dieser schweren Zeit, denn die geflüchteten Menschen haben einen hohen Redebedarf, möchten ihren Kummer loswerden und brauchen unbedingt andere Menschen um sich herum, die zuhören und Perspektiven schaffen. Wir suchen Wohnraum für die geflüchteten Menschen und versuchen mit ihnen Arbeit zu finden und sie in unsere Gemeinschaft zu integrieren.

Unsere Gemeinden sind sehr gut aufgestellt und wir können gewährleisten, dass diese Menschen bei uns in guter Obhut sind und versorgt werden. Mittlerweile hat sich ein richtiges Netzwerk zwischen dem Landesverband der jüdischen Gemeinden und Teilen der Bevölkerung aufgebaut, sodass wir kollektiv wirken können. In Bad Segeberg arbeiten wir inzwischen intensiviert mit Stadt und Politik zusammen, um die Wichtigkeit unserer Tätigkeit zu unterstreichen.

Der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein ist sehr glücklich, dass die Spendenbereitschaft und Solidarität der Bevölkerung so groß ist.

 

November 2021

Bundesverdienstkreuz für Alisa Fuhlbrügge,

Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Elmshorn

 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sechs engagierte Frauen und Männer aus Schleswig-Holstein mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Monika Heinold überreichte die Auszeichnungen am Dienstag, 30. November, in Kiel.

 

 Alice Fuhlbrügge setzt sich seit fast 20 Jahren für das jüdische Leben in Elmshorn ein. Als Mitbegründerin und Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Elmshorn ist es ihr zu verdanken, dass die Synagoge in die Nähe der zerstörten Synagoge ziehen konnte und eine eigene Thorarolle eingebracht wurde. Mit Spendengeldern wurde der Friedhof restauriert, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und auf dem Friedhof in Kölln-Reisiek ein jüdisches Grabfeld errichtet.

Sie setzte sich für den Synagogengedenkplatz in Elmshorn ein und macht besonders Kindern und Jugendlichen das jüdische Leben in Vorträgen und Veranstaltungen sichtbar. Außerdem betreut sie Examens- sowie Semesterarbeiten und organisiert und begleitet Schulklassen bei Fahrten zur KZ-Gedenkstätte nach Ausschwitz-Birkenau.

Verdienstkreuz am Bande, November 2021

 

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/A/auszeichnungen/verdienstorden_Bund.html

 

Frau Fuhlbrügge ist die dritte Persönlichkeit unseres Landesverbandes, die für ihre Verdienste um den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.